Tagebuch einer Willkommensklasse auf Klassenfahrt

Montag, der 08.10.2018

Um 8.15 Uhr trafen wir uns mit Sack und Pack an der Friedrich-Drake-Grundschule. Nachdem alle  bis auf Deniza, die krankheitsbedingt fehlte, da waren, ging es los. Mit dem M11 Bus fuhren wir bis zur S-Bahn und weiter bis nach Nikolassee. Dort wurde unser Gepäck von Matthias mit dem Auto abgeholt – ein Service des Gästehauses Schwanenwerder.

Wir liefen durch den Wald am Strandbad Wannsee und dem Berliner Yacht Club vorbei bis auf die Insel Schwanenwerder, wo wir für die nächsten fünf Tage bleiben durften.

Wir hatten das gesamte Gartenhaus ganz für uns allein, 4 Zimmer und 3 Badezimmer. Wir fanden das so super, dass wir uns alle erst einmal einrichteten, unsere Klamotten in die Schränke einräumten und teilweise sogar schon unsere „Haussachen“ anzogen. Dass wir gleich wieder rausgingen, um uns das große Gelände anzugucken, konnte ja keiner ahnen – schließlich war es doch so spannend, eigene große Zimmer zu haben.

Die Geländeerkundung war aufregend, weil es so viel zu entdecken gab: ein großes Schachbrett, mehrere Wiesen, Basketballkörbe, einen Spielplatz und sogar einen Fußballplatz und ein Amphietheater. Zunächst mussten wir jedoch die Steigung des Hanges vor dem Haus vermessen, indem wir uns runterrollten – Wer war am schnellsten unten? „Auf die Plätze-Fertig-Los“, Frau Schlitter gab natürlich das Kommando.

Dann gab es Mittagessen. Es gab ein Buffet. Man musste sich anstellen und mit Messer und Gabel essen, sitzen bleiben, bis alle aufgegessen hatten und den Ellenbogen nicht auf den Tisch legen – huuhhhh gar nicht so leicht. Nach mehreren Runden „Haas und Wolf“ sowie „Der Plumpssack geht um“, feierten wir Geburtstag. Wir sangen, ließen das Geburtstagskind hoch leben und aßen Kuchen.

Danach durften wir in unserem Haus warm duschen und Karten spielen bis es schließlich Abendbrot gab: Stulle mit Brot, Salate und Aufstriche.

Nach dem Essen las uns Frau Schlitter ein Bilderbuchkino vor. Dabei sind wir fast schon eingeschlafen. Wir mussten uns aber dann doch erst noch einmal den Schlafanzug anziehen und uns vor allem die Zähne putzen. Frau von Knobloch und Frau Schlitter zeigten uns, wie das geht und putzten sogar mit uns zusammen Zähne. Anschließend konnten wir jeder noch in einem Buch lesen, bis wir schließlich sehr müde einschliefen.

 

Dienstag, der 09.10.2018

Um 7.45 Uhr wurden wir von Frau von Knobloch geweckt, denn um 8.00 Uhr gab es Frühstück. Das war sehr lecker. Es gab Müsli, Brötchen und sogar Nutella! Vormittags lernten wir „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Borani. Während des Singens kam Deniza plötzlich zur Tür herein – oh wie schön – jetzt waren wir komplett! Anschließend sammelten wir alle unsere Stärken und machten Schreibübungen zur Natur. Dann ging es raus zum Blättersammeln – nur die Schönen natürlich. Sie sollten auch Teil des Projektes „Baum der Stärken“ werden.

Zum Mittagessen hatte sich der Koch für uns etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Es gab Falafel! Das verstanden auch gleich alle, da „Falafel“ in all unseren Sprachen (Arabisch, Armenisch, Rumänisch, Russisch, Urdu und Bosnisch) auch Falafel heißt. Dazu gab es jede Menge Salat – sehr lecker!

Gestärkt durch das gute Essen kreierten wir mit unseren Händen und bunten Fingerfarben die Baumkrone unseres Baumes. Der Baum der Stärken sollte anschließend in unser Klassenzimmer kommen!

Nach sehr konzentrierter Arbeit, hieß es: „Feuer, Wasser, Blitz“. Das ist – neben Fußball natürlich – unser Lieblingsspiel.

Abends nach dem Abendbrot erlebten wir wieder eine Runde Bilderbuchkino und anschließend durften wir auf unseren Zimmer noch eine Runde Uno spielen und bekamen von Frau Schlitter und Frau von Knobloch Gutenachtgeschichten vorgelesen. Das war schön! Da war das Heimweh auch gleich gar nicht mehr so groß.

Mittwoch, der 10.10.2018

Mittwoch sollte ein spezieller Tag werden: Wir machten einen Ausflug! Direkt nach dem Frühstück ging es los – jeder mit Lunchpaket im Rucksack. Es war so schönes Wetter, dass wir viel zu warm angezogen waren. Auf dem Weg durch den Wald entdeckten wir leider, dass Krestina einen Zeckenbiss hatte – so musste sie mit Frau von Knobloch zum Arzt gehen und wir fuhren mit Frau Schlitter allein in einem Doppeldeckerbus zur Pfaueninsel. Das war aufregend mit einem Bus durch den Wald zu fahren, doch kam natürlich nicht an die Fahrt mit der Fähre heran. Endlich mit einem Boot fahren! Und dann war das so schnell zu Ende. Das hat uns gar nicht gefallen, vielleicht auch weil wir mittlerweile ganz schön Hunger hatten. So suchten wir uns ein Plätzchen zum Picknicken. Beim Picknick lernten wir, dass man Müll nicht einfach so in den Wald wirft und dass dadurch sogar manche Tiere sterben können. Das wurde umso deutlich als wir den ersten Pfau sahen – „oh der ist bestimmt entlaufen“.

Wir gehen weiter, klären auf dem Weg noch einmal, warum man niemanden auf Grund seiner Hautfarbe beleidigt und kommen dann zur Liegewiese.

Eigentlich wollten wir ja Fußball spielen. Die anderen Menschen vom Café auf der anderen Seite der Lichtung guckten schon etwas schockiert herüber. Vorbei mit der Ruhe. Wir blieben daher auf der anderen Seite der Lichtung, wo auch ein Rasensprenger stand. Zwei ausgewrungene T-Shirts später, organisierte Assad die Tore. Richtig vermessen müssen sie sein, damit es fair ist. Tip, top – Assad und Omar wählten, Angelina und Jassleen kamen ins Tor und los ging sie, die Fußballpartie. Eine Frau kam vorbei – „Ja da haben Sie aber zu tun, die Kinder sind ja sehr aufgeweckt.“ Offensichtlich waren auch einige froh, dass etwas Leben auf die Wiese gekommen ist. Auch die Pfauen schauten zu.

Nach so einer anstrengenden Partie hatten wir uns aber ein Eis redlich verdient. Entspannt saßen wir zusammen auf der Wiese und schleckten unser Eis. Ein Wettrennen zum Papierkorb und zurück, rundete unsere kleine Pause ab. Frau Schlitter brachte uns die Startposition bei und stoppte die Zeit. Nun ging es weiter – nächstes Ziel: Das Schloss – da trafen wir Krestina und Frau von Knobloch wieder. Wir rannten ihnen über die Wiese entgegen. Ahhhh welch’ eine Freude, Krestina ging es wieder gut.

Ein kurzer Vortrag von Frau Schlitter über das Schloss und die Pfaueninsel folgte — dann das obligatorische Fotoshooting vor dem Schloss. Dann ging es mit der Fähre, dem Bus und zu Fuß zurück nach Schwanenwerder – puhhh da waren alle ganz schön müde – so viel gelaufen sind wir an diesem Tag. Der Hunger war groß und es gab auch prompt Abendbrot.

Das war ein Tag – noch eine Runde Karten und dann waren wir bereit für die Gutenachtgeschichte. Wir müssen sehr schnell eingeschlafen sein.

Donnerstag, der 11.10.2018

Der vorletzte Tag brach an, oben im Haus polterte es. Das veranlasste Frau Schlitter dazu, aus dem Bett zu springen und mit den männlichen Poltergeistern, eine Runde joggen zu gehen. Nach unserer Rückkehr waren die Mädchen auch wach und ganz neidisch: „Das wollen wir auch machen!“ –  „Okay – wird für Freitag vorgemerkt“ Morning run into the Sunrise.

Nachdem Frühstück gab es eine ausgedehnte Freizeit – die Lehrerin und Erzieherin bereiten eine Überraschung vor. Was das wohl wird. Sie nannten es Lapbook basteln, wie wir dann erfuhren.  Thema: Meine erste Klassenfahrt. Alle arbeiteten sehr konzentriert und engagiert zwei Stunden am Stück bis zum Mittagessen – ein neuer Rekord. Aber es war schließlich auch wichtig, schließlich können wir diese kreative Mappe später unseren Eltern schenken.

Zum Mittag bekamen wir Nudeln mit Tomatensoße zu essen, mit oder ohne Fleisch – der Renner. Als Nachtisch servierte uns der Koch höchstpersönlich sogar noch ein Eis. Das musste erst einmal bei einem Tanz verdaut werden: Cotton Eye Joe. Im Amphietheater lernten wir den Tanz und tanzten ihn einige Male, bis plötzlich viele andere Kinder zuschauen kamen und beinahe mitmachen wollten.

Um 15 Uhr gab es noch eine Überraschung: die klassische deutsche Kuchenpause. Apfelkuchen – aber den fanden wir dann doch nicht so lecker – na ja. Eine Runde „Feuer, Wasser, Blitz“ und ein Klatschspiel waren dann eh viel besser. Außerdem sammelten wir Stöcker für das Lagerfeuer am Abend.

Dann hieß es schon Duschen und Kofferpacken. Nach bestandener Zimmerkontrolle durch Frau Schlitter und Frau von Knobloch durften wir draußen spielen. Zum Abendessen gab es diesmal ein Grillbuffet. So viel gutes Essen – man man man. Am Gartenhaus wurden Taschenlampen ausgeteilt, wir gingen unten auf die Wiese zum Lagerfeuer und grillten Stockbrot. So etwas hatten wir noch nie gemacht. Eigentlich gar nicht so schwer, dachten wir, aber irgendwie müssen wir das noch einmal üben… das braucht auch immer so lange. Ohhhh hoppla, da kam plötzlich ein Fuchs vorbei – ein richtig Großer sogar. In der Dunkelheit, leuchteten seine Augen hell zu uns herüber. Aber er besann sich und mochte sich nicht zu uns gesellen. Verkohltes Stockbrot war wohl nicht so sein Ding. Er rannte hinter einen Busch.

Da war es aber spät. Wir spielten noch eine Runde Karten und lauschten der Gutenachtgeschichte, ehe wir ganz schnell einschliefen.

Freitag, der 12.10.2018

Wie versprochen, holte uns Frau Schlitter früh um kurz vor 7 Uhr aus dem Bett. Weil man dann den Sonnenaufgang über dem Wasser sehen könnte… Was hatten wir uns da nur eingebrockt? Für den Sonnenaufgang mussten wir ganz schön rennen. Um so mehr Hunger brachten wir an den Frühstückstisch mit.

„Heute ist der schlechteste Tag!“, ruft Jasleen. „Warum?“, fragt Frau Schlitter, „Weil ihr heute geht?“ Wir antworteten ihr fast im Chor: „JA!“ Na ja, aber wir freuten uns natürlich auch sehr auf unsere Eltern und Geschwister. Die hatten wir ja fünf Tage lang nicht gesehen und gehört.

Vor der Abfahrt organisierten wir noch selbstständig ein kleines Fußballspiel und wanderten dann glücklich und zufrieden zur S-Bahn. Eine S-Bahn und Bus-Fahrt weiter trafen wir unsere Eltern wieder – die freuten sich auch riesig, uns zu sehen! Frau Schlitter verteilte die Lapbooks und wir verabschiedeten uns alle. Was für eine grandiose Erfahrung!